top of page

Wenn Kinder im Schatten der Sucht groß werden.

Autorenbild: Elke Ossweiler
Elke Ossweiler
30. Sept.
2 Min. Lesezeit

Ich schreibe heute über die Kinder die im Schatten von Sucht groß werden. Mir ist es ein Anliegen, dass auch sie gesehen werden.



Kinder aus suchtbelasteten Familien tragen Lasten, die man ihnen oft nicht ansieht.   Sie wachsen in Unsicherheit auf, passen sich an, übernehmen Verantwortung, die nicht zu ihnen gehört – und schweigen, um die Familie zu schützen.


Was in der Kindheit suchtbelasteter Familien wirklich passiert

Kinder, die mit einem suchtkranken Elternteil aufwachsen, leben in einer Welt, die nach außen oft normal wirkt – aber innen voller Unsicherheit ist. Sie erleben eine Kindheit, die nicht frei ist, sondern geprägt von Anpassung, Angst, oft auch Gewalt und einem ständigen Versuch, die Familie zusammenzuhalten.


Sie wachsen im emotionalen Ausnahmezustand auf

Die Stimmung im Zuhause kann sich innerhalb von Sekunden verändern. Ein liebevoller Moment kann plötzlich kippen. Ein ruhiger Abend kann ohne Vorwarnung laut, chaotisch oder bedrohlich werden.

Kinder entwickeln ein feines Gespür für kleinste Veränderungen – ein Radar, das sie eigentlich gar nicht haben sollten.


Sie lernen früh, Verantwortung zu übernehmen

Viele Kinder werden zu Beschützern, Tröstern, Vermittlern. Sie kümmern sich um Geschwister, räumen auf, decken Probleme zu, versuchen Streit zu verhindern. Sie übernehmen Aufgaben, die nicht zu ihrem Alter passen – weil niemand sonst sie übernimmt.


Sie fühlen sich schuldig für Dinge, die sie nicht verursacht haben

Kinder glauben, sie seien der Grund für schlechte Stimmungen, Rückfälle oder Streit. Sie denken: „Wenn ich besser wäre, wäre Mama/Papa anders.“ Diese Schuld begleitet sie oft bis ins Erwachsenenalter.


Sie verstecken ihre Gefühle

In suchtbelasteten Familien wird selten offen über Probleme gesprochen. Kinder spüren die Spannung, aber niemand benennt sie. Sie lernen: „Ich darf nicht traurig sein.“ „Ich darf keine Angst zeigen.“ „Ich darf nicht auffallen.“ Sie funktionieren – statt zu fühlen.


Sie leben im Schweigen

Sucht ist ein Familiengeheimnis! Kinder schützen die Eltern, die Familie, sich selbst. Sie erzählen niemandem, was zu Hause passiert. Dieses Schweigen ist schwerer als jede Wahrheit.


Sie verlieren Vertrauen in Verlässlichkeit

Versprechen werden gebrochen. Grenzen sind unklar. Regeln ändern sich täglich. Kinder lernen: „Ich kann mich auf nichts verlassen.“ Das prägt ihr späteres Leben tief.



Diese Kinder sind stark - nicht weil sie es wollen, sondern weil sie müssen. Sie wachsen nicht in Freiheit, sondern im Dauer‑Alarmzustand. Sie werden zu „kleinen Erwachsenen“, die viel zu früh lernen, was Angst, Chaos und Loyalität bedeuten.


Und trotzdem: Diese Kinder entwickeln eine stille Stärke, die aus purem Überleben entsteht. Eine Stärke, die sie später durchs Leben trägt – aber auch eine Last, die sie oft erst als Erwachsene verstehen.

Überleben in einem suchtbelasteten System heißt: stark sein müssen, bevor man überhaupt weiß, was Stärke ist.


Wenn du in deinem Umfeld betroffene Kinder kennst, schau nicht weg!!


In meinem nächsten Beitrag schreibe ich darüber wie diese Erfahrungen in der Kindheit prägen und wie wir als Erwachsene noch darunter leiden können. Oft unbemerkt und still.



 
 
 

Kommentare


© 2016 Elke Ossweiler

  • Facebook
  • Instagram
bottom of page